Sozialethische Leitlinien

Im Leitbild der bag if heißt es:

Wir verpflichten uns einer Gestaltung von Arbeitsbedingungen, die eine Diskriminierung hinsichtlich arbeits-und sozialrechtlicher Faktoren, der Entlohnung und des Geschlechts ausschließt.

Was bedeutet das für das Innenleben der mit unserem Netzwerk verbundenen Projekte und Firmen – unabhängig davon, ob sie gemeinnützig sind oder nicht?

1. Hauptaufgabe der Integrationsfirmen

ist die unbefristete Beschäftigung schwerbehinderter Menschen gemeinsam mit nicht behinderten Kollegen und Kolleginnen nach den Modalitäten des allgemeinen Arbeitsmarktes.

2. Ergänzend können folgende Aufgaben hinzukommen:

  • Angebote der Qualifizierung/Rehabilitation unter betrieblichen Bedingungen,
  • zeitlich befristete Beschäftigungen,
  • stundenweise Beschäftigung ohne Sozialversicherungspflicht.

3. Das Management ist verpflichtet, ein ausgeglichenes wirtschaftliches Ergebnis zu erzielen und eine Balance herzustellen zwischen:

den wirtschaftlichen Notwendigkeiten (Gewinnerzielung zur Sicherung der Zukunft des Unternehmens bzw. zur Verzinsung des Kapitaleinsatzes) einerseits und den sozialen Belangen der Belegschaft im Hinblick auf Arbeitsbedingungen, die ihrer Gesundheitsentwicklung dienen, andererseits.

4. Diese Ausbalancierung kann dem Management besser gelingen, wenn es sich an folgenden Leitlinien orientiert:

4.1 Transparenz

Betriebsordnung, Zuständigkeiten, Rollenverteilungen, Arbeitsabläufe, Entscheidungsprozesse müssen transparent, überschaubar, nachvollziehbar sein.
Fragen: Wer ist wessen Vorgesetzter? Wer hat hier wem was zu sagen? Ist der Anleiter gleichzeitig „mein“ Sozialarbeiter, oder sind diese heiklen Rollen – dem Normalitätsprinzip folgend – voneinander getrennt? An wen kann ich mich wenden, wenn ich das Gefühl habe, ungerecht behandelt zu werden?

4.2 Beurteilungsgerechtigkeit

Die Anforderungs- und Beurteilungskriterien für alle Mitarbeiter/innen – ob behindert oder nicht – müssen klar sein und offen liegen.
Fragen. Was wird von mir erwartet? Wie wird festgestellt, wie erfahre ich, ob ich den Ansprüchen genüge? Beurteilen die Vorgesetzten die Mitarbeiter nach allgemeinverbindlichen Regeln (statt willkürlich „aus dem Bauch heraus“)?

4.3 Personalentwicklung

Durch ein Personalentwicklungskonzept ist sicherzustellen, dass alle Beschäftigten kontinuierlich in ihrer beruflichen Weiterentwicklung gefördert werden. Dabei muss jeder Betrieb – je nach seiner Zielsetzung – klären, ob diese permanente Qualifizierung sich allein an den Bedarfen des Betriebes orientiert, oder darüber hinausgeht.
Fragen: Welche Hilfe erhalte ich, um Leistungseinschränkungen und Wissensdefizite zu mildern oder zu beheben? Werden die Anforderungen an mich in Bezug auf Arbeitszeit, Pensum, Komplexität etc. meinem jeweiligen Gesundheitszustand angepasst? Wird auf Schwankungen, wie sie für Mitarbeiter mit psychiatrischen Erfahrungen typisch sind, Rücksicht genommen? Werden für körper- oder sinnesbehinderte Mitarbeiter die notwendigen technischen Hilfen geboten? Werden die Anleiter fortgebildet? Gibt es auch für behinderte Mitarbeiter Aufstiegschancen?

4.4 Respektkultur

Der Umgang miteinander soll durch eine Kultur des gegenseitigen Respekts, der gegenseitigen Unterstützung und Akzeptanz geprägt sein.
Fragen: Lebt das Management diese Werte vor? Wirkt es darauf hin, dass ein Betriebsklima im Sinne eines sozialen Unternehmens herrscht, in dem kollegiales Miteinander und Akzeptanz von Unterschieden bestimmend sind und nicht Konkurrenzkämpfe, Aversionen und Egoismen.

4.5 Partizipation

Die Mitarbeiter sind so weit wie möglich in Planungs- und Entscheidungsprozesse einzubeziehen und über die wirtschaftliche Lage zu informieren.
Fragen: Gibt es über Mitarbeitervertretung oder Betriebsrat hinaus dafür Strukturen? Wie sind die Mitwirkungsprozesse organisiert?

4.6 Gleichstellung

Es herrscht rechtliche Gleichstellung aller Mitarbeiter: Das Arbeits- und Tarifrecht wird strikt beachtet.

4.7 Normalisierung

Das Unternehmen tritt nach außen so auf wie das in seiner Branche üblich ist, also nicht als „Behindertenbetrieb“, weil dies stigmatisierend wirkt.