Trauer um Christian Petry

Christian Petry, langjähriger Geschäftsführer der Freudenberg Stiftung, ist im Alter von 77 Jahren am 12. November 2018 verstorben. Er war einer der Initiatoren der Fachberatung für Arbeits- und Firmenprojekte (FAF), aus der heraus später die Bundesarbeitsgemeinschaft der Inklusionsfirmen gegründet wurde. Die Firmenbewegung verdankt ihm wesentliche Impulse und Rückhalt in schwierigen Phasen.

Die Freudenberg Stiftung in Weinheim wurde Mitte der achtziger Jahre gegründet, um die sozialen Initiativen des Freudenberg-Konzerns zu bündeln. 1986 entschied sich die Stiftung für die Förderung der damals entstehenden „Selbsthilfe-Firmen“, heute Inklusionsfirmen genannt. Caspar Kulenkampff, Vater der deutschen Psychiatriereform, hatte Konzernchef Hermann Freudenberg für die Idee gewonnen, den Projekten unter die Arme zu greifen.

Christian Petry, der erste Geschäftsführer der Stiftung, ersann ein kluges und nachhaltiges Förderkonzept, nämlich die Förderung eines Vereins (FAF), dessen Schwerpunkt es sein sollte, die von ihm analysierte Schwachstelle der Firmen zu beheben durch Vermittlung betriebswirtschaftlicher Kompetenz und Gründungsberatung. Petry hatte schnell erkannt, dass die Beschäftigungsprojekte zwar die richtige Zielgruppe im Auge hatten, nämlich Dank der Reform aus den Anstalten entlassene Psychiatriepatienten, aber in Bezug auf wirtschaftliches Handeln Defizite hatten.

Er begleitete den Aufbau von FAF durch regelmäßige Klausuren bei der Stiftung in Weinheim. Stundenlang lauschte er dabei den Erfahrungsberichten der Praktiker aus den Firmen, bis er schließlich das Wort ergriff und Fragen aufwarf, deren Klärung den Weg zu Lösungen versprach. Durch diese kritischen Hinweise kam seine Wertschätzung für die Initiatoren zum Ausdruck und gleichzeitig seine analytische Kompetenz. Petry engagierte sich mit heißem Herzen nicht nur im Bereich der Psychiatrie, sondern darüber hinaus auch im Bildungswesen, in der Integrationsarbeit und der Bekämpfung von Rassismus und Ausländerfeindlichkeit.

Er verband Warmherzigkeit mit kühlem Verstand und gewann so Vertrauen und Offenheit bei vielen von der Stiftung geförderten Projekten. Mit seiner Höflichkeit und seinem Charme gab er ein Beispiel für ein gedeihliches Miteinander unterschiedlichster Charaktere. Er lebte damit vor, was dem Menschenbild der Stiftung zugrunde liegt: Achtsamkeit, Respekt und Toleranz.

Für die Bundesarbeitsgemeinschaft Inklusionsfirmen

Dr. Fritz Baur  Christiane Haerlin  Claudia Rustige  Arnd Schwendy