Hilferuf der Griechischen Gesellschaft für Soziale Psychiatrie

Die Lebenslage psychisch Kranker in Griechenland hat sich dramatisch verschlechtert. Die großen und erfolgreichen Anstrengungen zur Humanisierung der psychiatrischen Anstalten und zum Aufbau von gemeindeintegrierten Zentren in den letzten 30 Jahren in ganz Griechenland werden wieder zunichte gemacht. Das geht aus einem Notruf der Griechischen Gesellschaft für soziale Psychiatrie und seelische Gesundheit, Athen hervor.

Dazu aus Köln Christiane Haerlin, deutsche Delegierte der bag-if bei CEFEC, dem Europäischen Netzwerk von Beschäftigungsinitiativen für psychisch kranke und behinderte Menschen (socialfirmseurope.org), die in den letzten Monaten zweimal in Griechenland war:
“Diese Entwicklung ist besonders tragisch. Zum einen gefährdet sie konkret das Überleben seelisch leidender Menschen, zum anderen macht sie zunichte, was mit europäischer Hilfe zur Beseitigung skandalöser Missstände in Griechenland entwickelt wurde. Von den Folgen der Haushaltskürzungen sind vor allem die Dienste freier Träger in der Nachsorge für chronisch Kranke betroffen.“

Durch gute internationale Zusammenarbeit war es seit Mitte der 90-iger Jahre des letzten Jahrhunderts den Griechen gelungen, in der Versorgung psychisch Kranker Verhältnisse aufzubauen, die sehr viel solider sind als die Angebote für somatisch Kranke in diesem armen Land. Es gibt ein weit gespanntes Netz von gut miteinander verbundenen Diensten der Gesundheitsbehörden und der freien Träger. Beeindruckend sind dabei vor allem zahlreiche soziale Unternehmen im Bereich der Landwirtschaft und des Tourismus, die ehemaligen Langzeitpatienten Arbeit und ein sinnerfülltes Leben ermöglichen.

Der bisher erreichte gute Standard wird deutlich in folgenden Fakten. Es werden 30.000 Patienten landesweit betreut durch:
• 41 Mental Health Centers
• 24 mobile Mental Health Units und
• 69 Tageszentren.

Die 9000 Fachkräfte der privaten Dienste gemeinnütziger Träger, die als NGO anerkannt sind, haben seit neun Monaten keine Gehälter mehr bekommen, weil der Staat in Folge der Auflagen der Troika die Zuschüsse stoppte.

“Es ist bewundernswert, wie die Teams dennoch versuchen, durchzuhalten, um zu vermeiden, dass ihre Klienten ohne Betreuung dastehen, erneut erkranken, auf der Straße landen oder zurück in eine der jetzt völlig überforderten Kliniken müssen,” berichtet Christiane Haerlin.

Die Fachleute der öffentlichen Einrichtungen – meist Kliniken – haben drastische Gehaltskürzungen hinnehmen müssen. Die Zustände sind nach Angaben der Psychiatrie-Gesellschaft wegen der Personalnot schrecklich:
• zwangsfixierte Patienten seien verbrannt, weil kein Personal zur Stelle war und
• die Würde der Menschen werde mit Füßen getreten.

Viele psychisch Kranke sind arbeitslos und haben kein Einkommen. Die Sozialhilfezahlungen wurden eingestellt, so dass nicht einmal die Ernährung sichergestellt ist.

Die griechischen Hilfsorganisationen appellieren dringend an die europäische Öffentlichkeit, vor allem aber an die verantwortlichen PolitikerInnen, sich für ein Überleben der Hilfen für psychisch kranke und behinderte Menschen einzusetzen. Die “Sparauflagen” der Troika müssen dem Ziel der Erhaltung von Leben und Menschenwürde angepasst werden.

Neben politischer Einflussnahme sind auch konkrete Hilfsmaßnahmen – z.B. Spenden – erbeten. Christiane Haerlin: “Die Partnerorganisation der Bundesarbeitsgemeinschaft Integrationsfirmen geht mit den finanziellen Mitteln äußerst gewissenhaft um, sie kommen direkt den Betroffenen zugute.”

Weitere Informationen:
Athena Frangouli, Vicepräsidentin Society of Social Psychiatry and Mental Health, 22 Meletiou Piga Str. , 116 36 Athens, Greece, T.: (+30) 210 92 21 739 + 210 92 27 611
E-Mail: ekpsath@otenet.gr
Webseite: http://syn-skepsi.blogspot.gr