Rückblick Jahrestagung 2013

bag-if stellt Weichen für die Zukunft – Inklusive Firmen sollen weiter ausgebaut werden
Mit über 300 Teilnehmerinnen und Teilnehmern war die Jahrestagung der bag-if ein voller Erfolg.
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Begrüßung und Eröffnung, Dr. Fritz Baur. 1 Vorsitzender bag-if
Dr. Fritz Baur, 1. Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft Integrationsfirmen (bag-if) eröffnete die Jahrestagung, mit der Erwartung, dass das Wirken der Integrationsfirmen in Deutschland noch mehr in die Öffentlichkeit getragen wird. „Inklusive Firmen sind ein Erfolgsmodell,“ erklärte Dr. Baur, der damit auch den Titel der Jahrestagung skizzierte. Er verwies auch auf die Lahnsteiner Erklärung, die von der Mitgliederversammlung der bag-if am Tag zuvor verabschiedet wurde. Mit der Erklärung stellt die bag-if Forderungen an die Politik zur Weiterentwicklung der Integrationsfirmen. Die Rede von Dr. Fritz Baur im Wortlaut demnächst an dieser Stelle.

Dr. Fritz Baur

Herr Dr. Fritz Baur

Geschäftsführungen und Verantwortliche von Mitgliedsfirmen und andere Akteure waren aus dem gesamten Bundesgebiet zur Tagung gekommen, um an einem umfangreichen Programm teilzunehmen. So standen nach dem Eröffnungsbeitrag von Dr. Baur am 18. Juni neben dem rheinland-pfälzischen Arbeits- und Sozialminister Schweitzer, auch der Leiter der Unterabteilung Prävention, Rehabilitation und Behindertenpolitik im Bundesministerium für Arbeit und Soziales, Richard Fischels, auf der Rednerliste.

„Integrationsfirmen und Ihre Bedeutung bei der Verwirklichung der Inklusionsziele der UN-Konvention in RLP“, Alexander Schweitzer, Minister für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Demografie des Landes Rheinland-Pfalz
Zur Auftaktrede war der rheinland-pfälzische Arbeits- und Sozialminister Alexander Schweitzer aus Mainz gekommen. Er beschrieb in seinem Beitrag die Rolle der „Integrationsfirmen und ihre Bedeutung bei der Verwirklichung der Inklusionsziele der UN-Konvention in Rheinland-Pfalz“ und betonte, dass Integrationsfirmen seit vielen Jahren einen hohen Stellenwert in der Sozial- und Arbeitsmarktpolitik des Landes genießen. Inklusion nach dem Motto „Leben wie alle – mittendrin von Anfang an“, ist ein wichtiges Ziel der rheinland-pfälzischen Landesregierung hob der Minister in seinem Beitrag hervor.
Die umfassende Teilhabe behinderter Menschen in allen Lebensbereichen wie Wohnen, Arbeit, Bildung, Freizeit und Kultur wurde im Landesaktionsplan vom März 2010 festgeschrieben. Arbeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt und damit gleichberechtigte Beschäftigung von Menschen mit Behinderungen kommt dabei ein zentraler Schlüssel zu. Der Plan enthält deshalb den kontinuierlichen Ausbau der Integrationsfirmen in Rheinland-Pfalz. Derzeit gibt es 74 Firmen im Land, mit insgesamt 2000 Beschäftigten, davon haben 830 Menschen eine Beeinträchtigung.
Allerdings, merkte der Minister auch kritisch an, ist das weitere Wachstum der Integrationsfirmen gebremst und ein vorläufiges Ende der Entwicklung erreicht. Die Mittel der Ausgleichsabgabe, aus denen die individuellen Nachteilsausgleiche für Menschen mit

Minister Alexander Schweitzer

Minister Alexander Schweitzer

Behinderungen finanziert werden, sind erschöpft. Die Zuwächse von 90 Arbeitsplätzen in den letzten 3 Jahren wären ohne den Einsatz orginärer Landesmittel nicht realisierbar gewesen. Dabei steht laut Schweitzer der gesellschaftliche und volkswirtschaftliche Nutzen der Integrationsfirmen jedoch nicht in Frage. Sie gelten als kostenneutrale Form beruflicher Teilhabe. In Bezug auf den volkswirtschaftlichen Nutzen ist die deutsche Gesellschaft an einem Punkt angelangt, wo ein systemischer Sprung gewagt werden müsse. Er appellierte an den Bund sich in Zukunft stärker zu engagieren als bisher.
Integrationsfirmen besitzen nach Ansicht von Minister Schweitzer die besten Voraussetzungen, Inklusion im allgemeinen Arbeitsmarkt umzusetzen. Viele Beispiele, wie das Hotel INNdependence in Mainz zeigten, dass Integrationsfirmen sozial und wirtschaftlich nachhaltig arbeiten. Das Engagement der Integrationsfirmen sei deshalb besonders wichtig bei der Umsetzung der UN-Konvention zu den Rechten behinderter Menschen.

„Die Rolle der Integrationsfirmen im nationalen Aktionsplan der Bundesregierung zur Umsetzung der UN-BRK“, Richard Fischels, Leiter der Unterabteilung Prävention, Rehabilitation und Behindertenpolitik im Bundesministerium für Arbeit und Soziales
Herr Fischels brachte zunächst den versammelten Vertretern der Integrationsfirmen eine gute Nachricht mit: Im Zusammenhang mit einer Steuerprüfung bei einer Integrationsfirma in Niedersachsen hatte es bundesweite Verunsicherung bei den Integrationsfirmen gegeben. Fischels teilte mit, dass die Erhebung von Steuern Länderangelegenheit sei. Auf Nachfrage im Bundesministerium für Finanzen, habe er die Auskunft erhalten, dass es keine Änderung der Rechtslage seitens des Bundes gäbe.
In seinem Beitrag, „Die Rolle der Integrationsfirmen im nationalen Aktionsplan der Bundesregierung zur Umsetzung der UN-BRK“ stellte er fest, dass es einen Satz im Plan gibt: „Integrationsprojekte sind sehr erfolgreiche Beispiele für gelebte Inklusion in der Arbeitswelt, ermöglichen sie doch vielen behinderten Menschen ein Zusammenwirken mit nichtbehinderten Kolleginnen und Kollegen.“ Integrationsfirmen sind erfolgreiche Konzepte in der Arbeitswelt von Anfang an. Für Richard Fischels war es bei der Einführung des SGB IX 2001 ganz richtig Gelder und Zuständigkeiten an die Länder zu geben. Als Inklusion noch gar kein Thema war hätten Integrationsfirmen von Anfang an Inklusion einfach gemacht. „Herz und Kommerz müssen kein Widerspruch sein,“ so Fischels – beides ist wichtig. Die BRK hat der Behindertendiskussion ein unvergleichliches Werkzeug gegeben. Die öffentliche Wahrnehmung der Potentiale von Menschen mit Behinderung und deren Normalität werden heute anders wahrgenommen. Positive Beispiele waren für ihn die Special Olympics und der Film „Ziemlich beste Freunde“. Aber, so Fischels, „machen wir uns keine Illusion: Wie viele haben den Begriff Inklusion wahrgenommen? Nur 14 % kennen den Begriff überhaupt!“ – da müsse noch ein Menge gemacht werden. Es sei eine kulturelle Herausforderung, eine Gesellschaft der Unterschiedlichkeit herzustellen. „Diversity“ (engl: Vielfalt) müsse angenommen werden, um Unterschiedlichkeit als Wert und Ergänzung zu sehen. Es gehe um Haltungen und Handlung. Das kann jedoch nicht nur durch Gesetze umgesetzt werden. Teilhabe ist das A und O der Inklusion, es müsse übernommen und gelebt wird. Hier ist Arbeit ein ganz zentrales Feld.

Herr Richard Fischels

Herr Richard Fischels

Es gibt drei Faktoren die Inklusion fördern: Arbeit, Familie, soziales Umfeld und eine soziale Unterstützungsstruktur. Wenn das alles am Platz ist, ist Teilhabe ganz natürlich möglich. Selbstbestimmtes Leben kann in einem solchen Umfeld nicht nur nehmen sondern auch geben. Beispiele dieser Selbstverständlichkeit sind für Herrn Fischels die jüngsten Projekte für Menschen mit Autismus bei SAP und die modulare Ausbildung bei Audi, in der die Ausbilder speziell auch für die Ausbildung von jungen Menschen mit Behinderung geschult würden.
Unternehmen aufschließen und mitnehmen, dies sei ein Teil des Aktionsplans, in dem auch die Beschäftigung älterer Arbeitnehmer eine wichtige Rolle spielt. Auch hier sieht Richard Fischels die Integrationsfirmen stark engagiert.
Die Bundesagentur für Arbeit habe einen Ideenwettbewerb durchgeführt, der zu einer Verbesserung der Beschäftigung von Menschen mit Behinderung führen soll. Auch die BIH hat sich dafür ausgesprochen eine deutliche Ausweitung der Integrationsfirmen zu bewerkstelligen. Fischels dankte den Integrationsfirmen für die bisherige positive Arbeit. Bei der zukünftigen Entwicklung gelte es, qualitative und quantitative Erweiterungen zu erreichen, insbesondere in einem Bundesleistungsgesetz. Rheinland-Pfalz sei bereits ein positives Beispiel mit einer vorbildlichen Entwicklung.

Der vollbesetzte Saal auf der Jahrestagung der bag-if.

Der vollbesetzte Saal auf der Jahrestagung der bag-if.

„Die Bedeutung von Inklusion und Integrationsfirmen vor dem Hintergrund der UN-Konvention“, Peter Clever, Geschäftsführer Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände
Peter Clever, Mitglied der Hauptgeschäftsführung der Bundesvereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), stellte zu Beginn seines Vortrages die Frage, in welcher Gesellschaft wir leben wollen? Soziale Gerechtigkeit, Solidarität und soziale Sicherung sind Werte, auf die wir uns verlassen. „Auch dem Nachbarn soll es gut gehen“, fordert Herr Clever. Ein demokratisches Recht ist Grundlage dafür, seine Individualität finden zu können. Mit Blick auf die autoritäre Entwicklung in der Türkei sieht er dies gefährdet und bittete um 30 Sekunden Stille.
Peter Clever widmete sich im folgendem dem Thema „Die Bedeutung von Inklusion und Integrationsfirmen vor dem Hintergrund der UN-Konvention“. Als der Gesetzgeber 2001 den Begriff „Integrationsprojekte“ installierte dachte man nicht an eine solch positive Entwicklung. In der Lahnsteiner Erklärung unter Punkt 8 formulierte Forderung der bag-if, den Begriff „Projekt“ durch „Unternehmen“ zu ersetzen hält er wegen der Schaffung von Dauerarbeitsplätzen für richtig. „Die BDA unterstützt das“, sagte Herr Clever den Teilnehmerinnen und Teilnehmern.
Es gelte, Koalitionen Gleichgesinnter zu schaffen, um eine Bewusstseinsänderung zu bewirken. In Zeiten der Bestenauslese hat man Menschen mit Behinderung nicht im Focus gehabt. Nun muss man sich auf eine „Geeignetenauslese “ begeben. Er setze dabei nicht in erster Linie auf moralische Appelle. Die bag-if kann diese Bewusstseinsänderung beeinflussen und zeigen was möglich ist.
Die Integrationsfirmen erweisen sich als Mutmacher, die nicht nur jammern. Sie machen vor was geht, wenn der politische und ökonomische Wille vorhanden ist. Die Integrationsfirmen sind somit Treiber der Ideen der UN-Konvention. Die Gesellschaft muss sich auf die Talente konzentrieren. Die Nachteilsausgleiche für Menschen mit Behinderung sind keine ungerechtfertigte Dauersubvention, sagte Clever. Die Gleichung Schwerbehindert gleich

Herr Peter Clever

Herr Peter Clever

Leistungsgemindert treffe nicht die Realität. Das Beispiel SAP zeige auf, dass Autisten – gut vorbereitet – ihre besonderen Fähigkeiten so einbringen können, dass sie voll produktiv eingesetzt werden und ihren Lebensunterhalt selbst erwirtschaften können.
„Der demografische Wandel wird die Gesellschaft fundamental verändern“, erläuterte Herr Clever vor rund 300 Teilnehmern. In 2030 werden 8 Millionen Personen in der Wirtschaft fehlen. Unternehmen wüssten inzwischen, wie schwierig es ist, neue Fach- und Führungskräfte zu bekommen. Es sollte ein neues Bewusstsein in den Unternehmen geschaffen werden. Im Beirat für die Teilhabe behinderter Menschen wurde das Programm „Wirtschaft Inklusiv“ aufgelegt, das durch eine Aufklärungsinitiative Unternehmen Möglichkeiten für die Beschäftigung von Menschen mit Behinderungen aufzeigen soll. Das Programm richtet sich an kleine und mittlere Unternehmen (KMU) mit insgesamt rund 20 Millionen Beschäftigten. Es wird von BDA/BDI/ZVDH und dem DIHT gestützt.
Clever plädierte dafür, „soviel Inklusion wie möglich“ zu schaffen, aber er sehe auch die Notwendigkeit den „geschützten“ Bereich zu erhalten. Barrierefreiheit sollte nicht zur Ideologie erhoben werden, stattdessen sollten wir üben, mit Menschen mit Behinderungen zu lernen, wie Barrieren überwunden werden können.
Die Integrationsfirmen sollten ihre Erfahrungen einbringen, wie Menschen mit Behinderungen in „normale Firmen“ integriert werden können. Er betonte, dass mit den Nachteilsausgleichen für die Beschäftigung von Menschen mit Behinderungen in Firmen Wettbewerbsgleichheit hergestellt werde, nicht Wettbewerbsungleichheit.
Beim Übergang in reguläre Firmen des allgemeinen Arbeitsmarktes sei die Abschaffung der gemeinnützigen Arbeitnehmerüberlassung ein Fehler des Gesetzgebers gewesen. Er nannte Füngeling-Router als positives Beispiel und als negatives Beispiel die Firma Schlecker, deren Missbrauchspraxis mit zu einer Änderung des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes geführt habe.
Peter Clever sieht hier, dass die Hürden für einen Einstieg in Beschäftigung für Menschen mit Behinderung wieder höher gelegt wurden. Er sei deshalb froh, dass die Lahnsteiner Erklärung diesen Punkt aufgreife. Der BDA unterstütze diesen Vorschlag der bag-if. Er sehe aber auch, dass an dieser Stelle „dicke Bretter„ gebohrt werden müssten.
Bei der Ausbildung von Menschen mit Behinderungen, sieht er teilweise unüberwindliche Hürden was die geforderte Zusatzqualifizierung der Ausbilder betrifft. Der BDA begrüßt zwar mehr Fachlichkeit und Qualität in der Ausbildung von Menschen mit Behinderung, fordert aber eine flexiblere Gestaltung der Zusatzqualifizierungen. 320 Stunden Weiterbildung können sich KMU kaum leisten. Er gibt zu bedenken, dass nur 0,27% aller deutschen Firmen mehr als 500 Mitarbeitende haben – 80% seien KMU.
Zum Schluss sprach Peter Clever noch einen weiteren Punkt in der Lahnsteiner Erklärung an. Die Praxis der Gewährung von Eingliederungszuschüssen für schwerbehinderte Menschen durch die Agenturen für Arbeit wolle er in Nürnberg im Verwaltungsrat ansprechen und über Fehlsteuerungen sprechen. Vom Grundsatz her empfinde er einen großen Gleichklang mit den Forderungen der Integrationsfirmen gegenüber der Politik. Empathie verbinde ihn mit den Firmen, stellte er zum Abschluss seines Beitrages heraus.

„Wertorientierte Unternehmenskultur als Grundlage für inklusive Firmen“, Anselm Bilgri, Priester, Coach und Mediator
Anselm Bilgri referierte anschließend über „Werteorientierte Unternehmenskultur als Grundlage inklusiver Unternehmen“. Er sieht ein Grundproblem darin, dass Werte nur als „softskills“ gesehen werden. Sie seien etwas „gefühltes“. Integrationsfirmen haben darauf ihre Existenzberechtigung gebaut. Der Werteverfall bei der Lehmann-Pleite wurde 2008 als Ursache der Krise genannt. Niemand wisse aber richtig, was Werte sind. Früher wurden Werte als Kosten gesehen.
Für Bilgri, der lange Jahre das Kloster Andechs leitete, ist die Werteorientierung Garant für einen nachhaltigen, dauerhaften und langfristigen Bestand von Unternehmen und deren wirtschaftlichen Erfolg.
Die Werte der Benediktiner, die vor 1200 Jahren niedergeschrieben wurden, seien auch heute noch aktuell, so Anselm Bilgri. Man brauche nur bestimmte Worte zu ersetzen, etwa Kloster durch Unternehmen, Mönche durch Mitarbeiter, Abt durch Unternehmer. Es sind im Wesentlichen drei Dinge, die für eine Werteorientierung wichtig sind: Gehorsam, Demut und Discretio.
Der „Gehorsam“ komme von „Horchen“, vom aktiven „Hören“ und der Dialogbereitschaft als gemeinsame Haltung. Im englischen gibt es hierfür den Begriff „mindfulness“, den man mit Aufmerksamkeit oder Achtsamkeit übersetzen könne. „Wer fragt der führt“, so Bilgri. Es sei auch eine Verpflichtung für die Oben an der Spitze „aufeinander zu hören“. Es gelte, dem Umfeld genaue Beachtung zu schenken. Allerdings stelle er auch fest, dass heute „Sehen“ wichtiger geworden sei als „Hören“. Dabei fordere gerade das „Hören“ mehr Aufmerksamkeit. Die andere Seite bestehe in einer guten Kommunikation, die umsetzungsorientiert sein sollte: Hören, Annehmen und Tun.

Herr Anselm Bilgri

Herr Anselm Bilgri

Das Wort Demut sei in der Finanzkrise von 2008 sowohl von Angela Merkel und auch von Horst Köhler verwandt worden, um die Ursachen der Krise zu beschreiben. Manager brauchen wieder mehr Demut. Sie entsteht durch Bodenhaftung und Erdverbundenheit. Das sei auch in Integrationsfirmen gefordert und ein Teil ihrer Kultur, in der es gelte Stärken und Schwächen zu erkennen. Demut sei auch der Wille zum Dienen. Das gelte insbesondere für Führungskräfte. Das Management müsse die Mitarbeitenden bei der Problemlösung unterstützen. Dienen mache nicht klein, sondern sei ein Element von Führung, erläuterte Anselm Bilgri. Die Führungskräfte sollen den Erfolg von Mitarbeitenden zulassen.
Den dritten Faktor nennt Bilgri Discretio. Die Gabe der Unterscheidung müsse von Führungskräften beherzigt werden, es gelte die Mitarbeitenden zu unterscheiden und in ihrer Unterschiedlichkeit wahrzunehmen. Integrationsfirmen gelinge es, sich auf die Eigenart Vieler einzulassen und eine Gemeinschaft zu formen. Nicht Allen das Gleiche ist Gerechtigkeit an sich – sondern „jedem das seine“. Auch das sei ein guter Weg, der gerade in Integrationsfirmen sehr wichtig ist.
Die „Regula Benedikti“ des Benedikt von Murcia sei für ihn eine in Buch gefasste Unternehmenskultur. Mit dem positiv besetzten Begriff „Arbeit“ entstehe ein Haus, ein fester Grund, in dem – Kanon gleich – trotz Mehrstimmigkeit eine Harmonie entsteht und alle sich an einem gemeinsamen Ziel ausrichten.
„Integrationsfirmen schaffen das!“ stellte Bilgri fest. Ihn habe es erfreut, dass es Integrationsfirmen gibt, vorher der Einladung zur Tagung habe er davon noch nicht gehört. Sie seien ein Beispiel dafür, dass man mit Werteorientierung erfolgreich wirtschaften kann. Das sei gerade heute besonders wichtig, wo der Sinn über ökonomische Werte hinaus gehe. Die ethische Ausrichtung von Unternehmen sei für die Menschen in der Wirtschaft wichtig. Die Integrationsfirmen seien ein Bereich, wo man hinschauen könne, wo Werte gelebt und Menschen geachtet werden, betonte Anselm Bilgri.
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„Was behindert Arbeit?“, Hubert Hüppe, Beauftragter der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen
Hubert Hüppe widmete sich der Thematik „Was behindert Arbeit?“ Er stellt zu Beginn seiner Ausführungen fest, dass Integrationsfirmen ein wichtiger Baustein seien, um mehr Inklusion zu schaffen. Der Titel der Jahrestagung sei gut gewählt, denn die Integrationsfirmen hätten eine Erfolgsgeschichte beschrieben. Aber er sehe auch, dass es im Bereich der Integrationsfirmen nur bescheidene Zuwächse gebe, im Vergleich zu den Zugangszahlen in WfbM.

Herr Hubert Hüppe

Herr Hubert Hüppe

Für Herrn Hüppe ist Inklusion auch ein wirtschaftspolitisches Thema. Daher widme sich die „Initiative Inklusion“ bundesweit dem Thema, wie Menschen mit Behinderung im allgemeinen Arbeitsmarkt integriert werden können. Der zukünftige Fachkräftemangel könne gedämpft werden, wenn mehr Menschen mit Behinderungen eingestellt werden. Insgesamt sei aber die Lösung der Probleme nur gemeinsam mit den Ländern zu bewerkstelligen. Es gelte grundsätzlich zwei getrennte Welten aufzulösen: Die Welt der Menschen mit Behinderung und die Welt der Menschen ohne Behinderung. Eingliederungshilfe werde nur dann gewährt, wenn die Menschen bereit wären sich auszugliedern. Die Exklusion finde in Sonderwelten statt. Herr Hüppe wäre schon froh, wenn es bei dieser Entwicklung keine Zuwächse mehr bei den Platzzahlen in den WfbM geben würde. Als Beispiel nannte er den Zuwachs an G-Schulen, der in den letzten 15 Jahren allein in Nordrhein-Westfalen über 50% betragen habe. Bei den WfbM sei der gleiche Zuwachs festzustellen.
„Integrationsfirmen beweisen, dass Inklusion möglich ist,“ stellt Herr Hüppe fest. Auch das Budget für Arbeit ist von den Beauftragten der Länder gewollt. Sie wollen eine Entbürokratisierung der Regelungen des §66 Berufsbildungsgesetz. Mit den vorgeschriebenen 320 Stunden seien die Anforderungen zu hoch. Junge Menschen mit Lernbehinderungen benötigen einen Ansprechpartner im Betrieb.
Hubert Hüppe forderte, dass die Unterstützung den Menschen folgen muss und nicht umgekehrt. Die Orientierung muss sich an den Stärken ausrichten und nicht an den Schwächen der Menschen. Hier nannte auch er das Beispiel des Unternehmens SAP, das Menschen aus dem Autismusspektrum als Softwaretester einstellen will.
Er ging auch auf die Lahnsteiner Erklärung ein, in der die bag-if die Wiedereinführung des §16e SGB II fordere. Hier müsse man auf der Hut sein, dass es keinen Missbrauch gebe. Er selbst habe in Ämtern die Erfahrung gemacht, dass es für die Sachbearbeiter oft einfacher ist Eingliederungshilfe zu gewähren, dann sei die Akte weg! Man erspare sich mühevolles und langwieriges Suchen von Praktikumsstellen in geeigneten Betrieben des allgemeinen Arbeitsmarktes.
Er stellt auch die Frage, wie in Zukunft verhindert werden kann, dass Menschen aus Betrieben ausscheiden und plädierte für ein verbessertes betriebliches Eingliederungsmanagement. Zudem werden in den Betrieben Ansprechpartner für die Belange
Frau Claudia Rustige moderierte die Veranstaltung.

Frau Claudia Rustige moderierte die Veranstaltung.

eingeschränkter Mitarbeiter benötigt. Auch die Zentrale Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) soll ihre Arbeit für behinderte Akademiker weiter anbieten können.
Mit Blick auf die Lahnsteiner Erklärung sehe er, dass Integrationsfirmen in der Praxis schon vieles umsetzen, was theoretisch von anderen noch nachgeholt werden müsse. Er sehe, dass diese Arbeit der Selbstbestimmung behinderter Menschen diene und forderte dazu auf, weiterhin inklusive Wege aufzuzeigen. „Wer Inklusion will, der sucht Wege – wer sie nicht will, der sucht Begründungen,“ konstatierte der Bundesbeauftragte zum Schluss.